Für ein Auffangen der Patienten nach der Diagnose

EVK feiert zehn Jahre „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“

Wenn ein Patient das Krankenhaus nach erfolgreicher Behandlung verlässt, ist es sinnvoll, ihm auch für die Zeit danach Hilfe anzubieten – in Form eines Selbsthilfe-Angebots, das auf seine persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist. Genau das macht das Evangelische Krankenhaus Johannisstift Münster (EVK) bereits seit zehn Jahren. Zusammen mit dem Partner Paritätische Selbsthilfe-Kontaktstelle kann die Einrichtung im Kreuzviertel in diesem Dezember auf zehn Jahre „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ zurückblicken. Sowohl die Patienten als auch das Krankenhaus selbst profitieren von dieser strukturierten Zusammenarbeit im Sinne des Patientenwohls. Diesen freudigen Anlass hätten die Beteiligten gern mit einem Tag der offenen Tür oder ähnlichem gefeiert, was aufgrund der Coronavirus-Pandemie entfallen muss. 

„Die Grundidee bei der Gründung im Jahr 2010 war, dass Selbsthilfegruppen ihre Erfahrungen direkt im Krankenhaus einbringen können, damit Ärzte oder Therapeuten den Patienten schon vor der Entlassung diese wertvollen Informationen übermitteln können. So fühlen sich die Patienten mit ihrer persönlichen Diagnose nicht allein und bekommen über den stationären Aufenthalt hinaus Unterstützung“, berichtet Renate Ostendorf von der Paritätischen Selbsthilfe-Kontaktstelle über die Anfänge. Sieben Selbsthilfegruppen erklärten sich damals bereit, gemeinsam mit dem EVK Münster konstruktiv in diesem Qualitätszirkel mitzuarbeiten. Zehn Jahre später halten dieses sinnvolle Angebot für Patienten sechs unterschiedliche Selbsthilfe-Gruppen aufrecht. Konkret stehen diese sechs Gruppen im engen Austausch mit dem Krankenhaus im Kreuzviertel: Alzheimer Gesellschaft Münster e.V., Asthma-Selbsthilfegruppe Atemlos Münster, Burnout Selbsthilfegruppe Münster, Deutscher Schwerhörigenbund (Ortsverein Münster und Münsterland), Kreuzbund e.V. Stadtverband Münster und die Zöliakie Selbsthilfegruppe Münster. „Gelegentlich haben wir auch Anfragen von anderen Krankenhäusern. Allerdings muss man als Haus schon auch etwas dafür tun, um dieses Qualitätssiegel zu bekommen“, sagte Renate Ostendorf.

 Damit die acht erforderlichen Kriterien auch dauerhaft erfüllt werden, kümmert sich am EVK Münster Maike Hüerländer vom Sozialdienst als Selbsthilfe-Beauftragte um die Koordination mit der Kontaktstelle. „Die Pandemie bremst uns dieses Jahr leider ein wenig aus, aber den Austausch untereinander halten wir natürlich aufrecht“, sagt Maike Hüerländer. Die Sozialdienst-Mitarbeiterin des EVK Münster freut sich, dass Renate Ostendorf ein positives Fazit aus zehn Jahren Selbsthilfe zieht: „Es ist ein sehr erfolgreiches, lebendiges Modell.“ Ihre Mitstreiterin Corinna Hoffmann von der Burnout Selbsthilfegruppe Münster ist ebenfalls dankbar für die Kooperation: „Früher wurden Selbsthilfe-Gruppen manchmal belächelt, aber mittlerweile ist den meisten Menschen bewusst, dass sie einen großen Beitrag zu einem Auffangen der Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt leisten.“

 

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